Fifteen – Mein erstes Mal
by schreiblockade on 22/08/2011Ich gebe unumwunden zu, dass ein Besuch in den Restaurants meines geschätzten Herrn Jamie Oliver für mich DER Grund ist, England zu besuchen. Und obwohl ich mein erstes Jamie-Oliver-Kochbuch schon seit Anfang des Jahrtausends mein Eigen nenne, habe ich es tatsächlich jetzt erstmalig geschafft, die beeindruckende Stadt London zu besuchen und dort Jamies erstem Restaurant Fifteen einen Besuch abzustatten.
Nachdem wir also zu unserem online reserviertem Tisch gebracht wurden (wo ich mal wieder feststellen muss, dass mein Nachname sich nur bedingt für den angelsächsischen Raum eignet), erschien sofort “unser” Kellner, begrüßte uns freundlich und händigte uns die Karte aus. Nachdem wir mit dem Aufbau der übersichtlichen Karte (ein größer Zettel) vertraut und auf Änderungen in den Menüs aufmerksam gemacht wurden, ging es an die Auswahl. Dank iPhone und freiem WLAN waren Lücken im Sprachfundus kein Problem (“Es ist ein Fisch”).
Während meine Mitesser anscheinend nicht so hungrig waren, gab ich mir das volle Programm: Vier Gänge nebst zwei passenden Weinen.
1.Gang
Burrata (a googey mozzarella fom Puglia)
with Italian peaches, secretts farm mixed leaves and glazed almonds
Leider waren die Pfirsiche aus, also gab es eigentlich ganz profan Tomate-Mozzarella. Nur so hatte ich es noch nie gegessen, der Mozzarella war eindeutig der Star dieses Gerichts. Absolut cremig, wie man es von Büffelmozarella kennt, aber ohne im Geschmack zu sehr zu dominieren. Burana ist für mich seitdem DER Mozzarella schlechthin und muss doch sicher auch in Deutschland zu bekommen sein. Dazu gab es einen passenden Weißwein, den mir der Sommelier sehr freundlich und genau erklärte. Ich fand, er hatte mit allem Recht – auch wenn ich nichts behalten habe.
2.Gang:
Risotto bianco with sorrel, Caprino and chilli pangrattato
Ich liebe Risotto und habe auch schon unzählige Varianten selbst gemacht. Aber ich habe noch nie in einem Restaurant Risotto bestellt, da ich immer hörte, ein Risotto solle man nur dort bestellen, wo man dem Koch vertraut. Wenn ich also nicht im Fifteen Risotto bestelle, dann bestelle ich es wohl nirgendwo.
Es war ein absoluter Hochgenuss und definitiv mein liebster Gang in diesem Menü. Gleichzeitig hat meine Kochseele sehr doll geweint, denn meine Risotto sind Lichtjahre von diesem Gericht entfernt gewesen, so dass ich sie im Nachhinein nur noch Reisgericht nennen möchte. Nach einem Teller meines Risotto bin ich pappsatt, dieses Risotto war wunderbar schlottzig und voll im Geschmack, aber es füllt nicht den Magen aus – obwohl die Portion sehr ordentlich war. Mein Ehrgeiz ist nun geweckt, diese fantastische Konsistenz will ich auch hinbekommen!
3.Gang
Braised shoulder of thirst farm lamb
with stewed Italien peppers, capers, rocket and minnt salmoriglio
Wiederum ein Gericht, dass sich anders präsentierte als auf der Karte (was aber, wie eingangs erwähnt auch gleich zu Beginn erwähnt wurde). War aber egal, denn es war verdammt lecker und auf den Punkt. Die vor dem Braten (im Ofen, nehme ich an) gelöste Haut war toll knusprig und das untergeschobene Salmoriglio aus Salbei und Minze (wir sind ja in England) hat das Fleisch wunderbar aromatisiert. Die Paprika war herrlich süß und etwas rauchig, genau so mag ich es. Den passenden Rotwein gab es natürlich dazu und eigentlich will ich nie mehr ohne Sommelier essen gehen.
4.Gang
Amedei chocolate tart with guava sorbet and passionfriut Sauce
Wie man der Bildqualität entnehmen kann, war es spät geworden, aber Schokolade geht ja immer. Die Schokoladentorte habe ich selbst auch schon gemacht und auch hier kriegen die es im Fifteen irgendwie hin, dass man nach dem Genus dieses Schokotraums sich nicht seelenverwandt mit Stopfgänsen fühlt. Wahnsinnig gut. Auch das Eis passte ganz wunderbar – ich brauche doch bald mal das Eismaschinen-AddOn für die KitchenAid.
Nach diesen vier Gängen war ich zwar um gut 80 Pfund leichter (inkl. Trinkgeld und Spende für die Fifteen Foundation) aber auch so rundum glücklich, dagegen war der Preis lächerlich. Mein erstes Mal bei Jamie Oliver hat mich wahrlich nicht enttäuscht – auch wenn der Chef sich leider nicht hat blicken lassen (ich wusste aber schon vorher über Twitter, dass er in San Francisco weilt). Aber dafür war ja der tolle Mann an meiner Seite dabei, das wiegt dies locker wieder auf.
Anmerkung: Was Jamie Oliver angeht bin ich Fanboy durch und durch. Ich habe jedes Kochbuch, jede DVD und jede Menge Kochutensilien mit dem Namen dieses Engländers darauf. Mein Eindruck vom Fifteen ist sicherlich ein sehr rosaroter Eindruck. Allerdings hat es auch meinen Mitessern geschmeckt und wir haben alle brav aufgegessen. Dies nur zur Klarstellung.
dominic.hallau@me.com
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