Stammplatz
by schreiblockade on 23/08/2011Im Jahr 2000 waren meine Eltern in Bad Kohlgrub in einem Restaurant oder Hotel. Sie wurden höflich vom Kellner gefragt, ob sie den Tisch, den sie sich ausgesucht hatten frei machen könnten, da ein Stammgast sich angekündigt hatte, der immer an diesem Tisch zu sitzen pflege. Natürlich folgten meine Eltern der Bitte, auch wenn mein Vater sehr gespannt war, wer dieser “Lackaffe” denn sei.
Der Lackaffe ist nun in der Nacht von Montag auf Dienstag sanft entschlafen, nachdem er uns alle über Jahrzehnte hinweg mehrfach zum Lachen gebracht. Obwohl ich damals nicht das Glück hatte, dabei zu sein und meinen Platz für ihn frei zu machen, bin ich sehr traurig, dass er nun von uns gegangen ist – auch wenn man mit 87 Jahren allemal das Recht dazu hat. Mein Vater, sein größter Fan in unserer Familie, hat ihm auf jeden Fall sehr gerne “seinen” Tisch überlassen und fragt sich heute wohl wieder, ob er sich nicht hätte trauen sollen und ihn anzusprechen.
Ob es Nudeln oder Kosakenzipfel gab, weiß er aber nicht mehr.
dominic.hallau@me.com
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